Überblick über das französische Sozialsystem
Frankreich stützt sich auf die nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 geschaffene Sécurité sociale (Sozialversicherung), die Elemente des Beveridge- und des Bismarck-Modells verbindet. Die fünf Zweige (branches) — Gesundheit, Familie, Rente, Arbeitsunfälle und Eigenständigkeit — werden von jeweils eigenständigen Trägerkassen (caisses) verwaltet; darüber liegen zusätzliche Schichten wie die Arbeitslosenversicherung (Unédic), die Zusatzrente (Agirc-Arrco) und die ergänzende Krankenversicherung (mutuelle). Aus koreanischer Perspektive wirkt das wie eine Struktur, in der „eine Person mehrere Karten trägt". Die wichtigste Besonderheit ist die PUMa (Protection universelle maladie, eingeführt 2016): Wer rechtmäßig in Frankreich wohnt, hat Zugang zur Krankenversorgung. Anders als in Korea ist der Eigenanteil jedoch vergleichsweise hoch, sodass eine mutuelle (ergänzende Krankenversicherung) faktisch zum Standard gehört.
Wichtige Punkte aus Sicht von Zugewanderten:
- Die Anmeldung bei der CPAM (Caisse primaire d'assurance maladie) ist der Ausgangspunkt. Wer einen stabilen Wohnsitz (résidence stable) nachweist, wird in der Regel nach drei Monaten in die PUMa aufgenommen; dabei wird die Sozialversicherungsnummer (NIR, „numéro de sécurité sociale") vergeben, die alle Systeme miteinander verknüpft.
- Zwischen EU- und Nicht-EU-Bürgern bestehen erhebliche Unterschiede. Bürgerinnen und Bürger der EU/EWR/Schweiz profitieren von Freizügigkeit und automatischer Zusammenrechnung der Versicherungszeiten (Verordnung 883/2004), während für Drittstaatsangehörige der Aufenthaltstitel (titre de séjour) über den Zugang zu den einzelnen Leistungen entscheidet.
- Sozialversicherungsabkommen Korea–Frankreich (in Kraft seit 2007): Versicherungszeiten der koreanischen Nationalrente und der französischen Rentenversicherung lassen sich zusammenrechnen. Auch wer in einem der beiden Länder die Mindestversicherungszeit allein nicht erreicht, kann sich über die Zusammenrechnung qualifizieren.
- Die CAF (Caisse d'allocations familiales) bündelt nahezu alle Geldleistungen rund um Familie, Wohnen und Geringverdiener an einer Stelle — vergleichbar mit einer Kombination aus koreanischem Bürgeramt und Krankenkasse.
- Die digitalen Zugänge der Verwaltung sind in der Regel auf mehrere Portale verteilt: service-public.fr, ameli.fr (Gesundheit), caf.fr (Familie/Wohnen), info-retraite.fr (Rente) und francetravail.fr (Arbeitslosigkeit).
Die neun Bereiche im Überblick
- Gesundheit (health) — Erstattung über die Sécurité sociale (in der Regel rund 70 %) plus mutuelle, Carte Vitale.
- Rente (pension) — Grundrente régime général (CNAV) plus Zusatzrente régime complémentaire (Agirc-Arrco); das gesetzliche Renteneintrittsalter wurde mit der Reform 2023 schrittweise auf 64 Jahre angehoben.
- Arbeitslosigkeit (unemployment) — Anmeldung bei France Travail (vormals Pôle emploi); ARE in der Regel 24 bis 36 Monate.
- Familie (family) — Allocations familiales ab dem zweiten Kind, CAF, PAJE (Geburts- und Kleinkindleistungen).
- Steuern (tax) — Progressiver IR (Einkommensteuer) plus prélèvement à la source (Quellenabzug seit 2019), CSG/CRDS, Doppelbesteuerungsabkommen Korea–Frankreich.
- Wohnen (housing) — Wohnbeihilfe APL, Sozialwohnungen HLM, in Paris und einzelnen Städten encadrement des loyers (Mietregulierung).
- Bildung (education) — Schulpflicht von 3 bis 16 Jahren, sehr niedrige Einschreibegebühren an staatlichen Universitäten (rund 170 € im Bachelor), Stipendien bourses sur critères sociaux.
- Mutterschutz und Elternzeit (parental) — Congé maternité von mindestens 16 Wochen, congé paternité von 25 Tagen (seit 2021 ausgeweitet), congé parental d'éducation.
Worauf zu achten ist
- Alle Beträge, Erstattungssätze und Fristen sind als Orientierung zu verstehen und werden jährlich angepasst. Vor jeder Antragstellung empfiehlt sich ein Abgleich auf service-public.fr, ameli.fr oder den jeweiligen offiziellen Seiten.
- Steuerliche Ansässigkeit (résidence fiscale, in der Regel über 183 Tage, Lebensmittelpunkt oder Hauptwirtschaftstätigkeit beurteilt) und sozialversicherungsrechtliche Mitgliedschaft werden getrennt beurteilt.
- Englischsprachige Hinweise sind außerhalb großer Städte oft begrenzt — eine sprachkundige Begleitung oder die Anlaufstellen von France Services können den Einstieg erheblich erleichtern.
Offizielle Hinweise: service-public.fr, ameli.fr, caf.fr