Arbeitslosenversicherung in Kanada (Employment Insurance, EI)
Das soziale Sicherungsnetz für den Fall der Arbeitslosigkeit besteht in Kanada fast ausschließlich aus der bundesweit einheitlichen Employment Insurance (EI). Anders als in den USA wird das System nicht von den einzelnen Provinzen getragen, sondern bundesweit gleich angewendet — auch in Québec, mit Ausnahme von Mutterschutz und Elternzeit, die dort über das Québec Parental Insurance Plan (QPIP) laufen. EI ist nicht nur eine reine Arbeitslosenversicherung, sondern deckt auch Mutterschutz, Elternzeit, Pflege und Krankheit ab.
EI-Mitgliedschaft und Beiträge
- Versicherungspflicht: Wer in Kanada einer abhängigen Beschäftigung nachgeht, ist faktisch automatisch versichert. Beiträge werden zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt; Selbstständige können sich für die EI Special Benefits freiwillig anmelden.
- Selbstständige: Das reguläre Arbeitslosengeld steht ihnen nicht zu. Nur die special benefits (Mutterschutz, Elternzeit, Krankheit u. a.) lassen sich gesondert beantragen, wobei nach dem Beitritt eine Mindestbindungsfrist gilt.
- Québec: Mutterschutz und Elternzeit fallen nicht unter EI, sondern unter das QPIP (Régime québécois d'assurance parentale), das eigene Beiträge erhebt.
Reguläres Arbeitslosengeld (EI Regular Benefits)
- Anspruchsvoraussetzungen:
- Verlust des Arbeitsplatzes ohne eigenes Verschulden (Kündigung durch den Arbeitgeber, Vertragsende, Massenentlassung u. a.).
- In den letzten 52 Wochen (oder seit dem letzten Antrag) je nach Region rund 420 bis 700 versicherungspflichtige Arbeitsstunden.
- Arbeitsfähigkeit, -bereitschaft und aktive Stellensuche.
- Höhe: in der Regel rund 55 % des Durchschnitts der besten Verdienstwochen (best weeks), mit jährlich angepasster Wochenobergrenze.
- Bezugsdauer: zwischen 14 und 45 Wochen, abhängig von der regionalen Arbeitslosenquote und den eingebrachten Versicherungsstunden.
- Wartewoche (waiting period): Die erste Woche bleibt unbezahlt, ab der zweiten Woche fließt die Leistung.
Special Benefits (Sonderleistungen)
Neben dem regulären Arbeitslosengeld umfasst EI weitere Lohnersatzleistungen:
- Maternity benefits — Mutterschutz, bis zu 15 Wochen.
- Parental benefits — Standardform rund 35 Wochen (55 %) oder Verlängerungsform rund 61 Wochen (33 %), Wahl bei Antragstellung.
- Sickness benefits — eigene Krankheit oder Verletzung, bis zu 26 Wochen.
- Compassionate care / Family caregiver — Pflege schwerstkranker Angehöriger.
- Mutterschutz und Elternzeit werden im gesonderten Bereich parental behandelt.
Antrag und Mitwirkungspflichten
- Der Antrag wird unmittelbar nach Ausstellung des Record of Employment (ROE) durch den Arbeitgeber online über das My Service Canada Account gestellt.
- Alle zwei Wochen ist ein bi-weekly report abzugeben, der Stellensuche und Zwischenverdienste dokumentiert.
- Eine ungerechtfertigte Eigenkündigung wird in der Regel abgelehnt; als just cause anerkannte Gründe (z. B. Mobbing, Gesundheitsgefahr) können den Anspruch dennoch begründen.
- Wer während des Bezugs etwas hinzuverdient, kann nach den Working While on Claim-Regeln einen Teil des Einkommens behalten, bevor es angerechnet wird.
Sicht von Zugewanderten
- Inhaber von Arbeitspermits zahlen Beiträge und sind versichert, der Bezug setzt aber eine fortbestehende authorization to work voraus. Läuft das Permit ab, kann auch der laufende Bezug ausgesetzt werden.
- PR-Inhaber und Staatsbürger unterliegen denselben Bedingungen wie inländische Beschäftigte.
- Mit der Ausreise nach Korea endet der EI-Bezug faktisch; nur kurzzeitige, ausnahmsweise anerkannte Auslandsstellensuchen werden weiter bezahlt.
Offizielle Hinweise: Canada.ca: Employment Insurance, QPIP