Mutterschutz und Elternzeit in Kanada
Mutterschutz und Elternzeit werden in Kanada über die Sonderleistungen der Employment Insurance (EI special benefits) abgewickelt. Anders als in Korea zahlt nicht der Arbeitgeber direkt, sondern die bundesweite EI (für Wohnsitzpersonen in Québec greift stattdessen das QPIP). Der Kündigungs- und Rückkehrschutz (job-protected leave) ist eine arbeitsrechtliche Garantie: Beschäftigte bei bundesgesetzlich regulierten Unternehmen sind über den Canada Labour Code abgesichert, alle übrigen über den Employment Standards Act der jeweiligen Wohnprovinz. Die Provinzen haben ihre Regelungen so abgestimmt, dass sich die geschützte Auszeit mit der EI-Bezugsdauer deckt.
EI Maternity & Parental Benefits (außerhalb Québecs)
- Maternity Benefits (Mutterschutz) — nur für die Mutter, bis zu 15 Wochen, Beginn frühestens 12 Wochen vor und spätestens 17 Wochen nach der Geburt, rund 55 % des Durchschnitts der besten Verdienstwochen (best weeks).
- Parental Benefits (Elternzeit) — von beiden Elternteilen teilbar; bei Antragstellung wird eine der beiden Optionen festgelegt:
- Standard — rund 35 Wochen zu 55 % des Durchschnittseinkommens (mit Wochenobergrenze).
- Extended — rund 61 Wochen zu 33 % (gleicher Höchstbetrag, anteilig gestreckt).
- Wenn beide Elternteile teilen, gibt es zusätzliche sharing-Wochen: bei der Standardoption +5, bei der Extended-Option +8 Wochen, sofern der zweite Elternteil eine Mindestzahl an Wochen nutzt.
- Anspruchsvoraussetzung: in der Regel mindestens 600 versicherungspflichtige Arbeitsstunden in den letzten 52 Wochen (oder seit dem letzten Antrag).
- Wartewoche (waiting period): Die erste Woche des Mutterschutzes bleibt unbezahlt; bei direktem Übergang in die Elternzeit fällt sie üblicherweise nur einmal an.
- Selbstständige: Nur bei freiwilliger Anmeldung über EI Special Benefits for self-employed möglich, mit Wartezeit zwischen Beitritt und Anspruch.
QPIP (für Wohnsitz in Québec)
In Québec ersetzt das QPIP (Régime québécois d'assurance parentale) den EI-Bereich Mutterschutz und Elternzeit.
- Eigene Spur für Vaterschaftsurlaub (paternity) — eine solche Spur kennt EI nicht.
- Wahltarife — basic gegenüber special: längere Bezugsdauer mit niedrigerer Lohnersatzquote oder kürzere Dauer mit höherem Satz, ähnlich dem Trade-off Standard vs. Extended.
- Beiträge und Antragstellung laufen über den Conseil de gestion de l'assurance parentale.
- Aktuelle Wochenzahlen und Lohnersatzquoten sind auf rqap.gouv.qc.ca einzusehen.
Arbeitsrechtlicher Kündigungsschutz (job-protected leave)
Unabhängig von der EI-Bezugsdauer bestehen gesetzlich geschützte unbezahlte oder bezahlte Auszeiten:
- Pregnancy leave — meist rund 17 Wochen rund um die Geburt (Provinzunterschiede).
- Parental leave — beginnt typischerweise mit der Geburt oder Adoption und dauert je Elternteil rund 63 Wochen bzw. zwischen beiden geteilt entsprechend länger (Provinzunterschiede).
- Nach Rückkehr besteht der Anspruch auf eine vergleichbare Position, üblicherweise unter Fortführung der betrieblichen Sozialleistungen.
- Eine Kündigung oder Rückstufung wegen Mutterschutz oder Elternzeit verstößt gegen das Arbeitsstandardrecht.
Antragsablauf
- Etwa 4 bis 6 Wochen vor der Geburt erfolgt die schriftliche Mitteilung an den Arbeitgeber (Fristen je Provinz).
- Nach der Geburt übermittelt der Arbeitgeber den Record of Employment (ROE) an das EI-System.
- Der Antrag auf EI Maternity/Parental erfolgt durch die Antragstellerin oder den Antragsteller über das My Service Canada Account; dabei wird Standard oder Extended gewählt.
- Alle zwei Wochen werden Zwischenverdienste und Rückkehr per bi-weekly report gemeldet.
Worauf koreanische Wohnhafte achten sollten
- Inhaber von Arbeitspermits zahlen Beiträge und können Leistungen beziehen, der Bezug wird aber bei Ablauf des Permits unterbrochen. Eine vorausschauende Verlängerungsplanung ist entscheidend.
- Die Wahl Standard vs. Extended ist nicht reversibel. Einmal beim Erstantrag festgelegt, lässt sie sich für diese Geburt praktisch nicht mehr ändern. Beide Elternteile sollten dieselbe Option wählen, damit die geteilten Wochen ineinandergreifen.
- Aufstockung durch den Arbeitgeber (top-up): Manche Unternehmen ergänzen den EI-Anteil über einen SUB plan oder eine eigene Aufstockung. Das ist beim Eintritt verhandelbar.
- Wer in Québec wohnt, fällt unter das QPIP und nicht unter EI. Bei Umzug zwischen Provinzen sind Wohnsitz- und Arbeitsortregeln vorab zu prüfen.
Offizielle Hinweise: Canada.ca: EI maternity and parental benefits, QPIP, Arbeitsstandard-Seite der jeweiligen Provinz