Wohnen in Kanada
Die kanadische Wohnungspolitik beruht auf dem bundesweiten Rahmen (National Housing Strategy, CMHC) und der konkreten Umsetzung auf Provinz- und Stadtebene. Zwei Punkte unterscheiden sich deutlich von Korea: (1) Mieterschutz und Mietpreisbremse werden auf Ebene der Provinzen geregelt und (2) für ausländische Käufer gilt befristet ein Erwerbsverbot. In Toronto, Montréal, Vancouver oder Calgary unterscheiden sich die Mietregeln und der Kaufmarkt entsprechend deutlich.
Mieten — Schutzregeln nach Provinz
- Ontario: Residential Tenancies Act und Landlord and Tenant Board (LTB). Für Mietverhältnisse gilt die jährliche rent increase guideline mit Obergrenze für Mieterhöhungen (Neubauten, die ab 15. November 2018 erstmals belegt wurden, sind teilweise ausgenommen).
- Québec: Das Tribunal administratif du logement (TAL) entscheidet über Miet- und Verlängerungsstreitigkeiten. Die Verlängerungsrechte der Mieter sind stark; für Mieterhöhungen gibt es ein staatlich empfohlenes Berechnungsschema.
- British Columbia: Die Residential Tenancy Branch schlichtet Streitfälle. Jährlich wird eine Obergrenze für Mieterhöhungen während eines laufenden Mietverhältnisses bekanntgegeben.
- Alberta: keine festen Obergrenzen für Mieterhöhungen, dafür Vorgaben zur Häufigkeit (in der Regel höchstens einmal in zwölf Monaten) und zu Ankündigungsfristen.
In den meisten Provinzen liegt die Kaution bei erster oder letzter Monatsmiete (oder beides zusammen); ein Pendant zum koreanischen Jeonse gibt es nicht.
Mietzuschüsse
- Canada Housing Benefit (CHB) — gemeinsam von Bund und Provinzen finanziert, in der Provinz verwaltet. Geringverdienende Mieter erhalten einen monatlichen Zuschuss.
- Rent-Geared-to-Income (RGI) — In einem Teil der Sozialwohnungen werden rund 30 % des Haushaltseinkommens als Miete fällig.
- Provinzielle Beispiele: Canada-Ontario Housing Benefit in Ontario, Rental Assistance Program und SAFER (für Senioren) in British Columbia, Allocation-logement in Québec.
- Anträge und Wartezeiten werden meist über städtische housing registries organisiert; in den großen Städten sind die Wartelisten lang.
Sozial- und gemeinnütziger Wohnraum
- Co-op housing — gemeinnützige Wohnkooperativen, ein für Kanada charakteristischer Mietsektor.
- Non-profit housing — von Kirchen oder NGOs betriebener gemeinnütziger Mietraum.
- Public housing — von Stadt oder Provinz unmittelbar gehalten und verwaltet (z. B. Toronto Community Housing).
- Diese Bestände wenden in der Regel das RGI-Modell an oder liegen unter Marktniveau.
Eigentumserwerb — Beschränkung für ausländische Käufer
- Prohibition on the Purchase of Residential Property by Non-Canadians Act: Das Verbot des Wohnimmobilienerwerbs durch Nicht-Kanadier gilt seit 2023 und ist nach aktuellem Stand bis zum 1. Januar 2027 verlängert. Ausnahmen bestehen für PR-Inhaber, bestimmte Arbeits- und Studienpermits sowie für ausgewählte ländliche Regionen mit weniger als 50.000 Einwohnern.
- Spekulationssteuern — Foreign Buyers Tax in British Columbia, Non-Resident Speculation Tax in Ontario u. a. erheben zusätzliche Abgaben auf Käufe durch Nichtansässige.
- Leerstandssteuern — Empty Homes Tax in Vancouver, Vacant Home Tax in Toronto und die bundesweite Underused Housing Tax (UHT); sie treffen ausländische Eigentümer und Nichtansässige besonders.
- First Home Savings Account (FHSA) — steuerfreies Sparen für Erstkäufer (Staatsbürger, PR-Inhaber u. a.) bei Erfüllung der Voraussetzungen.
- Hypothekenkredite laufen üblicherweise mit fünfjähriger Zins- oder variabler Bindung, die Tilgung (amortization) beträgt meist 25 bis 30 Jahre. Bei einer Anzahlung unter 20 % ist eine Hypothekenversicherung über CMHC oder einen privaten Anbieter Pflicht.
Sicht von Zugewanderten
- Können Inhaber eines Arbeitspermits kaufen? — Die Ausnahmebestimmungen vom Erwerbsverbot (Art und Restlaufzeit des Permits, Steuerveranlagungshistorie, bereits erworbene Immobilien usw.) müssen erfüllt sein. Die Lage ist sehr einzelfallabhängig; eine Beratung durch einen kanadischen Immobilienanwalt ist ratsam.
- Mietzinserhöhung erhalten — und ignoriert? — Form und Frist sind je Provinz vorgeschrieben. Vor jedem Schritt das offizielle Formular der Mieterschutzbehörde der Provinz prüfen.
- Vermietung nach der Rückkehr? — Mieteinkünfte von Nichtansässigen werden in der Regel mit 25 % Quellensteuer erfasst; mit dem Antrag NR6 lässt sich eine Besteuerung auf Nettobasis erreichen.
Offizielle Hinweise: CMHC (Canada Mortgage and Housing Corporation), Mieterschutzbehörde bzw. Wohnungsministerium der jeweiligen Provinz