Gesundheitsversorgung in Kanada (Medicare)
Charakteristisch für die kanadische Gesundheitsversorgung ist das Single-Payer-Modell mit gleichzeitig dezentraler Umsetzung in 13 Provinzen und Territorien. Der bundesgesetzliche Canada Health Act legt die fünf Grundprinzipien fest — Universalität, Zugänglichkeit, Umfassendheit, Übertragbarkeit und öffentliche Verwaltung — und der Bund beteiligt sich über den Canada Health Transfer an der Finanzierung jener Provinzen, die diese Prinzipien einhalten. Für Staatsbürger und PR-Inhaber sind medizinisch notwendige Arztbesuche und stationäre Behandlungen damit faktisch kostenfrei, aber Bezeichnung, Wartezeiten und Leistungsumfang variieren von Provinz zu Provinz.
Beispiele für provinzielle öffentliche Versicherungen (Bezeichnungen, Antragsverfahren und Wartezeiten unterscheiden sich):
- OHIP (Ontario Health Insurance Plan) — Ontario, in der Regel rund drei Monate Wartezeit nach der Ankunft.
- RAMQ (Régie de l'assurance maladie du Québec) — Québec, Kartenausgabe meist nach drei Monaten.
- MSP (Medical Services Plan) — British Columbia, seit 2020 ohne Beitragspflicht.
- AHCIP — Alberta, üblicherweise ohne Wartezeit.
- Saskatchewan, Manitoba, Nova Scotia und weitere Provinzen geben jeweils eigene Karten aus.
Wichtige Punkte für Zugewanderte
- Anspruchsberechtigt sind Staatsbürger, PR-Inhaber sowie Inhaber bestimmter Arbeits- oder Studienpermits. Touristen und Kurzzeitbesucher sind ausgeschlossen.
- In vielen Provinzen gibt es nach der Ankunft eine Wartezeit von rund drei Monaten. Für diese Phase wird der Abschluss einer privaten Reisekrankenversicherung (z. B. GMS, Manulife) empfohlen.
- Zur Beantragung der Karte werden in der Regel zwei bis drei Wohnsitznachweise verlangt, etwa PR-Karte, Mietvertrag oder Führerschein.
- Die Anmeldung bei einer Hausarztpraxis (family doctor) ist der entscheidende Zugangsweg. Ohne Hausarzt müssen Patientinnen und Patienten Walk-in-Kliniken oder die Notaufnahme aufsuchen; einige Provinzen betreiben Vermittlungssysteme wie das Health Connect Registry.
Was kostenfrei ist und was nicht
- In der öffentlichen Versicherung enthalten: ärztliche Konsultationen, Krankenhausaufenthalte, Basisuntersuchungen und Bildgebung, Notaufnahme, Schwangerschafts- und Geburtsbetreuung.
- Privat oder über Zusatzversicherungen: verschreibungspflichtige Medikamente außerhalb des Krankenhauses, Zahnmedizin, Sehkorrektur, Physiotherapie, ambulante psychotherapeutische Behandlung, Krankentransporte (zum Teil) und Behandlungen von Nichtansässigen.
- Arzneimittelhilfen für Personen ab 65 und Geringverdiener: Provinzielle Pharmacare-Programme wie OHIP+ in Ontario oder BC Fair PharmaCare in British Columbia.
- National Pharmacare — Seit 2024 wird ein bundesweites Programm schrittweise eingeführt, beginnend mit Diabetes- und Verhütungsmedikamenten. Den aktuellen Stand zeigt canada.ca.
Betriebliche Krankenleistungen (employer benefits) ergänzen die genannten Lücken bei Medikamenten, Zahn- und Sehversorgung als private Zusatzversicherung und gehören zu den häufigsten Bestandteilen unbefristeter Arbeitsverträge in Kanada.
Häufige Fragen
- Karte verloren? — Neuausstellung über ServiceOntario, Service BC, RAMQ usw. mit ggf. geringer Gebühr.
- Umzug in eine andere Provinz? — Innerhalb von 90 Tagen nach Ankunft eine neue Karte beantragen; in der Übergangszeit bleibt die alte Karte teilweise gültig (portability).
- Rückkehr nach Kanada nach längerer Abwesenheit? — Bei längerem Auslandsaufenthalt können Wiedereintritt und Wartezeit erneut anfallen. Vor der Rückreise die Regelungen der Wohnprovinz prüfen.
Offizielle Hinweise: Canada.ca: Health care system, Website des Gesundheitsministeriums der jeweiligen Provinz