Steuersystem in Großbritannien
Die zentralen Bausteine des britischen Steuersystems sind die Einkommensteuer (Income Tax), die National-Insurance-Beiträge (NI), die Mehrwertsteuer (VAT), die Kapitalertragsteuer (Capital Gains Tax, CGT), die Erbschaftsteuer (Inheritance Tax, IHT) sowie die kommunale Council Tax. Anders als in Korea beginnt das Einkommensteuerjahr am 6. April, und die NI ist eine vom Einkommensteueraufkommen getrennte Sozialversicherungsabgabe.
Einkommensteuer (Income Tax)
- Personal Allowance: Bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze ist das Einkommen steuerfrei. Bei höheren Einkommen (über £100.000 jährlich) wird der Freibetrag schrittweise abgeschmolzen.
- Steuersätze: In England, Wales und Nordirland gilt ein dreistufiger Tarif — Basic (20 %) → Higher (40 %) → Additional (45 %). Schottland nutzt einen eigenen, fünf- bis sechsstufigen Tarif mit abweichenden Sätzen.
- Zinsen und Dividenden: Bis zu bestimmten Freibeträgen sind Erträge steuerfrei oder werden begünstigt besteuert (Grenzen werden jährlich angepasst).
National Insurance (NI)
- Class 1: Arbeitnehmeranteil zuzüglich Arbeitgeberanteil. Innerhalb bestimmter Lohngrenzen wird ein fester Prozentsatz erhoben.
- Class 2 / Class 4: für Selbstständige (self-employed). Class 2 ist eine Pauschale (oder ein automatischer Credit), Class 4 wird auf den Gewinn berechnet.
- Die NI-Beitragszeiten begründen den Anspruch auf State Pension, beitragsbasierten JSA, beitragsbasierten ESA und Maternity Allowance.
Quellensteuer (PAYE) vs. Self Assessment
- PAYE (Pay As You Earn): Für die meisten Beschäftigten werden Einkommensteuer und NI monatlich automatisch vom Lohn einbehalten. In der Regel ist keine zusätzliche Erklärung nötig und das Ergebnis stimmt.
- Self Assessment: Selbstständige, Vermieter, Hochverdiener (z. B. £100k+) sowie Personen mit Auslandseinkünften reichen ihre Erklärung bis zum 31. Januar online selbst ein. Der Stichtag für die Papierabgabe ist der 31. Oktober.
- Steuerliche Identifikation: Neben der National Insurance Number (NINo) wird für Self Assessment die UTR (Unique Taxpayer Reference) benötigt.
Steuerliche Ansässigkeit — Statutory Residence Test (SRT)
Großbritannien stellt die steuerliche Ansässigkeit über den Statutory Residence Test (SRT) fest. Es geht nicht um eine simple „183-Tage-Regel", sondern um drei aufeinander aufbauende Prüfungen:
- Automatic Overseas Test (automatische Nicht-Ansässigkeit): u. a. Aufenthalt von weniger als 16–46 Tagen, frühere Wohnsitzhistorie.
- Automatic UK Test (automatische Ansässigkeit): mindestens 183 Tage Aufenthalt, Hauptwohnsitz (home) im UK, Vollzeitbeschäftigung im UK u. a.
- Sufficient Ties Test: Wenn keiner der beiden vorigen Tests greift, werden Familie, Wohnung, Erwerbstätigkeit, die 90-Tage-Regel und die Anzahl der landesspezifischen Anknüpfungspunkte (ties) zusammen mit den Aufenthaltstagen abgewogen.
Eine genaue Beurteilung ist faktisch ohne Steuerberatung kaum möglich.
Sicht von Zugewanderten
- Doppelbesteuerungsabkommen Korea–Großbritannien: Um eine Doppelbesteuerung desselben Einkommens zu vermeiden, regelt das Abkommen die Ansässigkeitsfrage, die Verteilung des Besteuerungsrechts je Einkunftsart und die Anrechnung im Ausland gezahlter Steuern. Da die Ansässigkeitsfrage Vorrang hat, kann jedoch nach SRT-Bewertung das gesamte Welteinkommen grundsätzlich in Großbritannien steuerpflichtig werden.
- Auch Einkünfte aus koreanischem Immobilienbesitz, Spareinlagen oder Renten können in Großbritannien erklärungspflichtig sein; in Korea bereits gezahlte Steuern lassen sich teilweise als Foreign Tax Credit anrechnen.
- Die Non-Domiciled-Regelung (non-dom) befindet sich infolge der Reform 2024–2025 in einer Übergangs- bzw. Abschaffungsphase; ältere Quellen sollten daher nicht ungeprüft übernommen werden.
- VAT: Aus Verbrauchersicht ist die in den Endpreisen enthaltene Mehrwertsteuer (Standardsatz 20 %) die Steuer, mit der man am häufigsten in Berührung kommt.
- Council Tax: kommunale Steuer abhängig von der Wertkategorie der Wohnung und vom jeweiligen Council. Studierende-Haushalte und Alleinlebende erhalten Ermäßigungen.
Diese Hinweise gelten als allgemeine Orientierung für 2026; Steuersätze, Freibeträge und Schwellen werden mit dem Steuerjahresbeginn im April jährlich angepasst. Für individuelle Sachverhalte sollte eine qualifizierte steuerberatende Person hinzugezogen werden.
Offizielle Hinweise: GOV.UK Income Tax, HMRC Self Assessment